Einsatzfahrten

{Bild vom Dachaufsetzer einfĂŒgen}
Gelbe Dachaufsetzer bedeuten „Feuerwehr im Einsatz“, kein Taxi 😉

„Feuerwehr im Einsatz“ – Schwarze Buchstaben auf gelbem Grund, per Magnet auf einem Autodach. Bestimmt haben Sie ein solches Schild schon gesehen. Unter UmstĂ€nden dachten Sie, da fĂ€hrt ein Taxi. Aber: Es sind die Mitglieder der Feuerwehr auf dem Weg zum Einsatz.

Feuerwehrangehörige werden im Einsatzfall ĂŒber die stille Alarmierung verstĂ€ndigt. Jeder aktive Feuerwehrler ist mit einem FunkmeldeempfĂ€nger (Piepser) ausgestattet. Es heult keine Sirene. Die Bevölkerung erfĂ€hrt vom Einsatzgeschehen erst, wenn die Einsatzfahrzeuge von der Feuerwache mit Martinshorn ausrĂŒcken. Zuvor mĂŒssen die EinsatzkrĂ€fte aber von ihrer Wohnung, ihrem Arbeitsplatz oder dem Einkauf zum GerĂ€tehaus fahren. Um diese Fahrt mit dem privaten PKW zu kennzeichnen, nutzen viele Feuerwehrangehörige ein gelbes Magnetschild mit der Aufschrift „Feuerwehr im Einsatz“ – einen so genannten Dachaufsetzer.

Ab dem Zeitpunkt der Alarmierung verfĂŒgen Personen im Feuerwehrdienst gemĂ€ĂŸ StVO ĂŒber Sonderrechte im Straßenverkehr. Der Dachaufsetzer ersetzt aber keineswegs Blaulicht und Martinshorn. Und er ist ebenso kein Freifahrtschein zum Rasen oder zur massiven Missachtung der Straßenverkehrsordnung!

Er soll anderen Verkehrsteilnehmern nur signalisieren, dass sich ein Mitglied der Feuerwehr auf dem Weg zum Einsatz befindet.

Wenn es Ihnen möglich ist, schaffen Sie dem Feuerwehrangehörigen bitte freie Fahrt. Sie ermöglichen damit schnelle Hilfe fĂŒr Ihre Mitmenschen.

Übrigens: Wenn Ihnen ein solch markierter PKW begegnet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass noch weitere folgen werden.

Warum Einsatzfahrten mit Sondersignalen, auch „Nachts“?

Immer wieder fragen sich BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, wenn Sie nachts durch das Martinshorn eines vorbeifahrenden Feuerwehrfahrzeuges geweckt werden:

„Warum fĂ€hrt die Feuerwehr auch nachts mit Blaulicht und Martinshorn?
Muss das denn sein? Nachts ist doch eh niemand auf der Straße!“

oder:

„MĂŒssen die so einen Krach machen und mich in meiner wohlverdienten Nachtruhe stören und uns zeigen, dass sie mal wieder unterwegs sind!“

Wir können es verstehen. Doch leider dĂŒrfen die Fahrer der Einsatzfahrzeuge darauf keine RĂŒcksicht nehmen, wenn es darum geht, schnell auszurĂŒcken um Menschenleben zu retten oder Sachwerte zu erhalten.

Die Feuerwehr wird nur dann alarmiert, wenn eine Notlage vorliegt, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall oder ĂŒber einen Brand mit riesigem Sachschaden. Um die Gefahren abzuwehren, ist höchste Eile geboten – dafĂŒr werden Einsatzfahrzeugen Sonderrechte eingerĂ€umt.

Blaulicht alleine genĂŒgt nicht! Es dient laut Gesetz nur zur Absicherung.

Das Einschalten von Blaulicht und Martinshorn ist keine freiwillige Angelegenheit, sondern gesetzlich vorgeschrieben.

Gesetzlich sind die Einsatzfahrten mit Sondersignalen „Blaulicht und Martinshorn“ in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) geregelt:

§ 35 Sonderrechte (Auszug)

(1) Von den Vorschriften dieser Verordnung sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur ErfĂŒllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.

(5a) Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche SchÀden abzuwenden.

Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) regelt auch, wie die Einsatzfahrzeuge ihr Sonderrecht kenntlich machen mĂŒssen:

§ 38 Blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht (Auszug)

(1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche SchĂ€den abzuwenden, eine Gefahr fĂŒr die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flĂŒchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.

Es ordnet an: „Alle ĂŒbrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.

Wenn Sie sich die beiden Paragraphen § 35 und § 38 aus der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) anschauen wird klar:

Die Feuerwehren sind gesetzlich verpflichtet die Sondersignale „Blaulicht und Martinshorn“ zugleich einzusetzen, wenn sie das Wegerecht in Anspruch nehmen will. Ein Fahrer eines Einsatzfahrzeuges handelt somit fahrlĂ€ssig, wenn er bei der Einsatzfahrt kein Martinshorn verwendet.

Kommt es zu einem Unfall, kann er auch bei Unverschulden in Haftung genommen werden.

Insbesondere bei gefĂ€hrlichen Kreuzungsbereichen und StreckenfĂŒhrungen muss der Fahrer das Einsatzfahrzeug

  • zur eigenen Sicherheit,
  • zur Sicherheit der Mannschaft und natĂŒrlich auch
  • zur Sicherheit der ĂŒbrigen Verkehrsteilnehmer

mit Sondersignalen kenntlich machen. Denn nur so können die EinsatzkrĂ€fte möglichst zĂŒgig und möglichst sicher die Einsatzstelle erreichen.

Das Fahren mit Sondersignalen „Blaulicht und Martinshorn“ ist keine willkĂŒrliche Regelung um die Bevölkerung zu Ă€rgern. Ganz im Gegenteil, es soll vor allem Sie als Verkehrsteilnehmer schĂŒtzen. Die frĂŒhzeitige AnkĂŒndigung des Einsatzfahrzeuges soll jedem die Möglichkeit geben, rechtzeitig zu reagieren und so gefĂ€hrliche Fahrmanöver oder gar UnfĂ€lle zu vermeiden. Das gilt tagsĂŒber ebenso auch nachts, wenn scheinbar niemand unterwegs ist.

Rechnen Sie nachts um zwei Uhr mit einem tonnenschweren Einsatzfahrzeug, das mit erhöhter Geschwindigkeit zu einem Notfall, Unfall oder Brand, unterwegs ist?

Beispiel

In einem Ort gilt die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.

Die Feuerwehr wird zu einer Notlage alarmiert. Es ist höchste Eile geboten.

Der FahrzeugfĂŒhrer des Einsatzfahrzeuges fĂ€hrt, um zĂŒgig zu der Einsatzstelle zu kommen, mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h anstatt der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, so muss er wĂ€hrend der gesamten Fahrt durch den Ort die Sondersignale „Blaulicht und Martinshorn“ einsetzen, um die Wegerechte in Anspruch zu nehmen. Dies gilt am Tage, wie auch in der Nacht.

Bei der Einsatzfahrt mit Blaulicht ohne Martinshorn hingegen muss sich der Fahrer, wie jeder andere Verkehrsteilnehmer auch, an die Vorschriften des Straßenverkehrsgesetzes halten. In diesem Fall besteht jedoch kein besonderes Vortrittsrecht.

Zusammenfassung

Die Feuerwehr wird nur dann alarmiert, wenn eine Notlage vorliegt und höchste Eile geboten ist.

Das Einschalten der Sondersignale „Blaulicht und Martinshorn“ ist keine freiwillige Angelegenheit, sondern gesetzlich vorgeschrieben.

Die Einsatzfahrten mit Sondersignalen „Blaulicht und Martinshorn“ sind gesetzlich in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) geregelt:

Blaulicht alleine genĂŒgt nicht!

Die Feuerwehren sind gesetzlich verpflichtet die Sondersignale „Blaulicht und Martinshorn“ zugleich einzusetzen, wenn sie das Wegerecht in Anspruch nehmen will. Wird bei der Einsatzfahrt kein Martinshorn verwendet, handelt der Fahrer des Einsatzfahrzeuges fahrlĂ€ssig und es dĂŒrfen keine Wegerechte in Anspruch genommen werden.

Wir sind auch fĂŒr Sie da

Bitte denken Sie daran – Sie können weiterschlafen – die EinsatzkrĂ€fte, die vor Minuten noch in ihrem warmen Bett lagen und jetzt zu einem Notfall unterwegs sind, ist die Nacht meistens, je nach Dauer des Einsatzes, zu Ende. Auch sie mĂŒssen morgens wieder zur Arbeit, wie Sie auch.

Wenn Sie einmal nachts von der Feuerwehr „Hilfe“ brauchen, so können Sie auf Ihre Feuerwehr zĂ€hlen.

Ob dabei andere aus dem Schlaf gerissen werden, ist fĂŒr sie nicht von Bedeutung. Im Gegenteil – jede Sekunde zĂ€hlt.